28. Oktober 2017

Depression

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt, was viele von uns tagtäglich spüren: Die Zahl der Menschen mit Depression steigt weltweit rasant. 322 Millionen Menschen waren gemäss WHO 2015 betroffen. Rund 18 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor!

Depression wird die grösste Krankheit

Die WHO geht davon aus, dass Depressionen bis 2030 die grösste Krankheitslast in den Industrienationen verursacht – noch vor Herz-Kreislauferkrankungen. Die Zahlen erstaunen nicht. Kennt nicht jeder mehrere Personen, die einmal an Depression erkrankt sind? Und sind wir nicht alle manchmal niedergeschlagen, lustlos, müde? Der Gedanke, es sei vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis einen die Zivilisationskrankheit niederstreckt, liegt da nicht fern.

Depression bei Frauen

Leichte Depression nimmt rasant zu

Auch wenn eine Diagnose durch einen Arzt nicht immer einfach ist, was unbestritten zugenommen hat, sind die leichteren Symptome von Depressivität, die sogenannte gefühlte Depression. In Befragungen des Schweizer Haushaltspanels haben 2009 deutlich weniger Menschen als 1999 angegeben, „nie“ Gefühle von Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Angst und Depression zu haben.

Gleichzeitig stieg der Anteil der Personen, die „manchmal“ solche Gefühle haben – von 12,2 auf 18,1 Prozent. Die Anzahl Menschen, die „häufig“ depressive Symptome haben, ist dahingehend konstant geblieben.

Mehr depressive Verstimmungen: Im Vergleich zum Jahr 1999 gaben 2009 deutlich mehr Menschen an. manchmal negative Gefühle wie Biedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Angst oder Depressionen zu haben; klinisch relevante Depressionen bleiben stabil. Frauen erleben häufiger Tiefs: Mehr Frauen als Männer gaben 2009 an, manchmal oder häufig niedergeschlagen. hoffnungslos, änglstlich, depressiv zu sein.

Diagnosekriterien für eine Depression

Die Hauptsymptome einer Depression sind

  • gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessensverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit

Zusatzsymptome einer Depression sind

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Minderwertigkeit
  • negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken oder -handlungen
  • Schlafstörungen
  • Appetitverlust

Für eine leichte Depression müssen zwei Hauptsymptome und zwei Zusatzsymptome auftreten. Für eine mittelschwere Depression müssen zwei Hauptsymptome und drei bis vier Zusatzsymptome auftreten. Für eine schwere Depression müssen die drei Hauptsymptome und fünf oder mehr Zusatzsymptome auftreten – jeweils für mindestens zwei Wochen. Quelle: Diagnosehandbuch ICD-10

Eine Depression kann – da es sich um eine Krankheit handelt – nur ein Arzt diagnostizieren. Eine test ob Sie Burnout gefährdet sind, finden Sie hier: Burnout-Test.

Frauen leiden mehr unter Depressionen

Frauen leiden fast doppelt so häufig an depressiven Symptomen wie Männer. Warum, ist unklar. Manche Forscher sehen bei Frauen eine grössere Bereitschaft als bei Männern, etwas als Symptom zu erkennen, darüber zu reden und Therapien in Anspruch zu nehmen. Es werden auch Gründe der sozialen Ungleichheit (im Vergleich zu Männern oft weniger Status, Macht und Anerkennung) sowie die Doppelbelastung von Job und Mutter vermutet.

Depression

Burnout und Depression durch Beschleunigung

Gerade Menschen, die an einem Burnout leiden – oft wird dies als eine durch die Arbeitswelt ausgelöste Variante einer depressiven Störung gesehen – erreichen streng genommen nur selten die Schwelle für eine Diagnose der Depression. Doch depressive Erkrankungen treten bei schlechten Arbeitsklima, hoher Arbeitsbelastung und schlechter Führungskultur gehäuft auf. Dabei ist es nicht einfach die Arbeit, die uns krank macht, sondern das Prinzip der Steigerung und Beschleunigung, das unsere Gesellschaft heute auszeichnet.

Depressive Verstimmung

Depression als Folge unserer Gesellschaft

Ist die Diagnose Depression in vielen Fällen also eine individuelle Antwort auf ein kollektives Problem? Die Krankheit vielleicht gar so etwas wie die gesellschaftliche akzeptierte Form unserer Müdigkeit? Bedenkt man, dass Depression von den Betroffenen oft als kompletter Stillstand erlebt wird, ist dieser Gedanke vielleicht gar nicht so abwegig.

Hilfe bei Depression

Antidepressiva sind zwar die am häufigsten verschriebene Therapie bei Depressionen. Es gibt aber eine ganze Reihe alternativer Behandlungsmethoden. Bitte beachten Sie, dass dies nur allgemeine Hinweise sind und ergänzend zu professionellen Behandlungen eingesetzt werden, diese können keinen Arztbesuch ersetzen!

Ein Interview von Stefan Geisse zum Thema Stress in der Komplentärmedizin.

Wer an einer Winterdepression leidet, kennt das Verfahren vielleicht. Man setzt sich täglich für je 30 bis 40 Minuten ganz nahe vor eine sehr helle Lichtquelle (bis zu 10.000 Lux). Die Lichtrezeptoren in der Netzhaut und des Sehnervs sorgen dafür, dass der Körper vermehrt Serotonin produziert. Das „Wohlfühlhormon“ stimmt positiv und macht ausgeglichener.

Sport kann präventiv gegen Depressionen wirken, jedoch fehlt der Beleg, dass es bei einer akuten Depression hilft. Bewegung lenkt von Grübeleien ab, und wer sich längere Zeit sportlich betätigt, aktiviert sogenannte Glückshormone. Depressiven Menschen fällt es jedoch oft schwer, sich aufzuraffen, ein Bewegungstherapeut oder Trainer kann unterstützend motivieren.

Antidepressiva sind meist synthetische Medikamente, mit zum Teil massiven Nebenwirkungen. Bei leichten bis mittleren Depressionen kann Johanniskraut eine Alternative sein. Studien belegen, dass Extrakte des Heilkrauts ebenso wie synthetische Mittel gegen eine Depression helfen können. Die Einnahme muss unbedingt mit einem Arzt abgeklärt werden, Nebenwirkungen des Johanneskraut können erhöhte Fotosensitivität sein, die Haut rötet schnell und kann mit Blasen oder Ekzemen reagieren.

Diese Methode ist auch als Mindfulness Based Cognitive Therapie (MCBT) bekannt, welche sich aus der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (MBSR) heraus entwicklet hat. Meditation als Teil der Therapie hilft dabei, in sich hineinzuhorchen: Welche negativen Gedanken und Gefühle keimen auf? Wie gewinne ich eine gewisse Distanz dazu? Wie schaffe ich es, mich nicht vom Abwärtsstrudel erfassen und davon lähmen zu lassen? Mehrere Studien haben gezeigt: Ein solches Training konnte die Rückfallquote halbieren. Es gibt die Möglichkeit, Achtsamkeit und Meditation in Seminaren zu lernen, so z.B. bei einer Auszeit im Kloster. Bei leichten Depressionen oder Burnout hilft auch Yoga unterstützend um wieder zur Ruhe und inneren Kraft zu finden.

Es gibt weitere Therapieformen, die bei leichten bis mittelschweren Beschwerden eingesetzt werden, so z.B. die psychoanalytisch orientierte Therapie, die kognitive Verhaltenstherapie und die interpersonelle Therapie. Wem was hilft, kommt auf den Einzelfall an: Den einen hilft es, ihr Verhalten zu ändern, etwa sich nicht mehr zu verkriechen und wieder soziale Kontakte aufzubauen. Den anderen, zwischenmenschliche Konflikte mit dem Partner oder in der Familie unter die Lupe zu nehmen.

Hilfe bei Depression

Grundsätzlich ist bei depressiven Symptomen die Konsultation eines Arztes angezeigt. Bei leichten Symptomen können Meditation und Yoga mit seinen Körper- und Atemübungen unterstützend helfen, eine Meditations-CD für Einsteiger kann ein guter Start sein. Aber auch Stress-Auszeiten können helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und seine Lebenssituation zu überdenken.

Weitere hilfreiche Informationen zu depressiven Verstimmungen finden sich hierzu unter https://www.promentesana.ch/de/startseite.html oder auch bei Selbsthilfegruppen wie http://aktionsbuendnis.ch/ oder http://depressionen.ch/

 

Dieser Artikel basiert auf Inhalten vom Beobachter Extra vom 27. Oktober 2017: Mein Weg aus der Depression.