Depression

Dauermüde oder Depressiv? Gerade in den Wintermonaten macht uns das schlechte Wetter zu schaffen. Wir stecken unter einer grauen Nebeldecke, gehen morgens in Dunkelheit zur Arbeit und kommen erst gefühlt in der Nacht wieder nach Hause. Oft geht damit ein erhöhtes Schlafbedürfnis und eine Leistungsminderung einher. Ist das schon ein Zeichen einer beginnenden Despression?

Ist ein Winterblues schon eine Depression?

Wenn diese nur ein paar Tage anhält kann man sicherlich nicht von einer Depression sprechen, vielmehr von einer Befindlichkeitsstörung ohne Krankheitswert. Sicherlich sollte man ärztlichen Rat suchen, sollte dieser Zustand länger andauern.

Was kann man gegen eine Dauermüdigkeit und Leistungsminderung tun?

Ein wichtiger Faktor spielt dabei der Lichtmangel. Sicherlich spielt auch eine Rolle, dass wir in den trüben Wintermonaten wegen der Dunkelheit und Kälte mehr zu Hause bleiben und weniger uns im Freien bewegen oder Sport machen.

 

Früher war es für Menschen – wie auch für die meisten Tiere – normale, im Winter dem Schlafen, Ruhem und Rückzug zu Hause mehr Zeit zu widmen als im Sommer. Darum ist es wichtig, gerade in diesen Monaten das höhere Schlafbedürfnis zu stillen, Outdoor-Aktivitäten an der Sonne zu unternehmen und sich zu bewegen. Dabei sind Aufenthalte in wärmeren Regionen nicht zwingend notwendig – unsere Bergsonne hat viel Kraft!

Wie erkenne ich, dass Stimmungsschwankungen nicht mehr normal sind?

Wenn Zeichen einer Depression auftreten ist Vorsicht geboten. Depressive fühlen sich leer, verzweifelt, hoffnungslos. Sie können sich nicht mehr freuen, sind reizbar und verstimmt. Sie haben weniger Schwung und Energie, sind rascher Ermüdbar. Sie leiden unter Konzentrations- und Schlafstörungen, innerer Unruhe, Anspannung und körperlichen Schmerzen. Sie grübeln über sich selber und die eigene Situation, sind gequält von Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen, Zukunftsängsten und Suizidgedanken.

Gerade in schweren Depressionen erkennen Betroffene ihre Erkrankung nicht als solche, sondern führen ihre Verfassung zu Unrecht auf eigene „Fehlentscheidungen“, „persönliche Probleme“ oder ihre Lebenssituation zurück.

So wirken Sie Erschöpfungszuständen aktiv entgegen

  • Bei Schlafproblemen immer zur gleichen Uhrzeit schlafen gehen und aufstehen
  • Die ideale Schlafdauer liegt zwischen 7 und 8 Stunden
  • Lichtquellen im Schlafzimmer reduzieren
  • Auf koffeinhaltige und alkoholische Getränke und anregende Gespräche oder Bücher verzichten
  • Keine Computerarbeit und kein Fernsehen vor dem Schlafengehen
  • Yoga oder autogenes Training helfen zu entspannen

  • Vielseitig essen, dabei auf frische und liebevolle Zubereitung achten
  • Viel Obst und Gemüse, möglichst auf Fisch und Fleisch verzichten
  • Zucker und Salzkonsum gering halten
  • Täglich 1,5 bis 2 Liter ungesüsste Getränke wie Mineralwasser oder Kräutertees trinken
  • Das Essen bewusst geniessen, sich Zeit dafür nehmen, möglichst nichts dabei sprechen

  • Stress reduzieren und Lernen auch mal Nein zu sagen
  • Nicht immer alles perfekt machen wollen
  • Sich regelmässig bewegen, z.B. 30 Minuten bei Tageslicht spazieren gehen
  • Bewusst auf das Autofahren verzichten und einige Wege zu Fuss zurücklegen oder ein, zwei Stationen früher aus den ÖV aussteigen
  • Bewusste Erholungsphasen im Alltag einbauen

Was sind die Gründe für eine Depression?

Wenn oben genannte Symptome über einen längeren Zeitraum vorligen, wird oft eine Depression diagnostiziert. Statistiken zufolge erkranken rund 25% der Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Depression, Frauen dabei häufig so oft wie Männer. Dabei ist zu beobachten, dass Depressionen bei jungen Menschen zunehmen.

Oft sind die Gründe dabei Identitäts- und Orientierungsschwierigkeiten. Bei Menschen mittleren Alters gibt es Depressionen oft wegen Stress. Bei ältere Menschen werden Depressionen besonders oft nicht erkannt und nicht behandelt.

Was beeinfkusst die Entstehung einer Depression?

Die Persönlichkeitsstruktur, aber auch die soziale Einbindung und körperliche Bewegung spielen eine Rolle. Das Risiko erhöht sich dabei bei Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selber. Oder wenn der Hang zur Perfektionismus ausgeprägt ist. Aber auch wenn Schwierigkeiten bestehen, von anderen etwas einzufordern oder sich abzugrenzen.

Auch bei aktuell belastenden Lebensumständen wie Scheidung, beruflicher Überforderung, Arbeitslosigkeit, Verlusterlebnissen und während bestimmter Entwicklungsphasen wie Erwachsenenwerden oder Pensionierung. Auch können schwere traumatische Erlebnisse wie Misshandlung oder sexueller Missbrauch in der Kindheit eine Rolle bei der Entstehung einer Depression eine Rolle spielen.

Burnout oder Depression: Warum warten viele mit der Diagnose?

In der Regel warten betroffene zu lange, bis sie ärztliche und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Auswirkungen einer Depression werden zwar für die Betroffenen und ihre Angehörigen deutlich spürbar, werden aber oft vorschnell auf äussere oder innere Belastungen oder die Persönlichkeit zurückgeführt und nicht selten banalisiert. Gerade ist dies zu beobachten, wenn die Symptome schleichend einsetzen.

Dass viele insbesondere im Zusammenhang mit beruflichen Bealstungen von einem Burnout sprechen, macht es heute einfacher, über das Thema Depression zu sprechen. Dieser Umsatnd erleichtert es, Hilfe zu suchen. Häufig liegt bei Menschen mit einem Burnout häufig eine Depression vor.

Es ist entscheidend, so früh wie möglich, das Krankheitsbild zu erfassen. Es ermöglicht, Frühinterventionen, z.B. soziale Unterstützung bei psychosozialen Problemen und Frühbehandlungen. Diese wirken rascher und effektiver.

Braucht es Hilfe eines Arztes oder Psychiaters bei einer Depression?

Bei Frühzeichen einer beginnenden Depression wie dauernden Anspannung, fehlender Lebensfreude, abnehmender Energie und Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder erhöhtem Alkohlkonsum ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was tun bei einer Depression oder einem Burnout?

Dies lässt sich nicht verallgemeinert beantworten, es hängt von der Zustand des Betroffenen und seiner physischen und mentalen Stärke ab. Die klassisch schulmedizinische Sichtweise ist die Behandlungen sind Psychotherapie und der Einsatz von Psychopharmaka. Ist die Depression stark ausgeprägt, und zum Beispiel von Selbstmordgedanken und selbszerstörerischem Verhalten geprägt, macht dies sicherlich Sinn. Dann ist sogar eine Behandlung im intensivprogramm einer spezialisierten Klinik angezeigt. Dort erfolgt Einzel-Psychotherapie, Gruppenpsychotherapien und ganzehitliche Betreuung durch spezialisierte Betreuer und Pflegefachpersonal. Ideal ist es sicherlich, wenn Angehörige in die Betreuung und Behandlung mit einbezogen werden.

„Psychopharmaka – in erster Linie Antidepressiva – bessern die depressive Symptomatik, namentlich Antriebsmangel, Gedankenkreisen, Freudlosigkeit, Ängste und Schlafstörungen, indem sie die Versorgung von Emotionszentren im Hirn mit sogenannten Neurotransmittern normalisieren, die in der Kommunikation zwischen Hirnzellen mitwirken.

Antidepressiva sind bei mittelschweren und schweren Depressionen angezeigt. Welches Präparat bei welchem Menschen mit welcher Dosierung wirkt, ist individuell. Wichtig ist, über den verzögerten Wirkungseintritt und die Notwendigkeit regelmässiger Einnahme zu informieren. Auch gilt es, genügend hoch zu dosieren und die Medikation mehrere Monate über ein Abklingen der Symptome hinaus fortzuführen, um die erzielten Effekte zu stabilisieren.“ Dr. med. Hanspeter Flury, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt und Klinikdirektor, Klinik Schützen Rheinfelden, Schweiz in der Zeitschrift vital 2/2017

Wie verläuft eine Depression?

Eine depressive Symptomatik kann sich schleichend über Wochen und Monate einstellen oder akut zum Vorschein kommen. Unbehandelt verlaufen Depressionen chronisch oder können zu einem Suizid führen. Nur selten bessern sie sich spontan. Wer einmal an einer Depression erkrankt ist, hat ein erhöhtes Risiko für eine weitere Depression.

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Depression und Burnout mit Yoga, Achtsamkeit und Buddhismus begegnen

Je nach Intensität und Symptomverlauf kann der Yoga und Buddhismus eine Alternative zur Behandlung mit einer Psychotherapie sein. Voraussetzung dabei ist, dass der Betroffene grundsätzlich Stabil und keine Suizidgedanken hat. Im Zweifel ist immer Ärztliche Betreuung vorzuziehen.

Der Yoga als auch Buddhismus zeigt verschiedene Wege auf, um den Geist (mit seinen Gedanken, Wahrnehmungen, Bewertungen, Konditionierungen als auch Gefühlen) zu beruhigen und zur Klarheit zu führen. Allen voran sind die vier “buddhistischen Kultivierungen” (die vier bhavanas) der unmittelbarste und wertvollste Weg zu einem erfüllten Leben. Diese vier Kultivierungen sind (Yogasutra 1.33, m.E. eines der Kernsutra des Yoga):

maitri – Liebevolle Güte (im Sinne von bedingungsloser, jedoch nicht romantischer Liebe)

karuna – Mitgefühl

mudita – Heiterkeit (manche Interpreten übersetzen es auch mit Mitfreude)

upeksa – Gleichmut

Meine persönliche Erfahrung ist, je mehr man auf dem spirituellen Pfad wandert und auch entsprechend übt, werden sich diese Eigenschaften nach und nach einstellen. Sie sind das stärkste was wir haben – ihre Kraft wirkt unmittelbar auf uns und unsere Umgebung. Diese Kultivierungen kann man nicht intellektuell erwerben, sondern sie werden – so zumindest in meiner Erfahrung – einem geschenkt.

Meditation Vispassana Yoga

Ich habe sehr wunderbare Erfahrungen zur Kultivierung dieser Werte mittels der Meditation, dem Lesen von philosophischen Texten als auch durch das dankbare Annehmen was ist, gemacht. Auch wenn der Tag dunkel erscheint, so schenkt uns das Universum immer wieder ein Leuchten in Form von scheinbar kleinen Zeichen. Unsere Aufgabe ist es, diese wahrzunehmen. Seien sie auch noch so klein. Das Reflektieren am Abend und Aufschreiben von Erlebten, Gedachten, Gefühlten kann viel helfen.

Selbstliebe und Selbstannahme als Kern zur Heilung

Durch bewusste Yogaübungen und Meditationen kann der Betroffene nach und nach zu einem Zustand kommen, in welchem alte Verletzungen angenommen werden können (durch das Fühlen, Spüren, weniger durch das kognitiv-rationale Verstehen) und auch aufgelöst bzw. transformiert werden können. Viele sind noch durch Konditionierungen, Erfahrungen und Vorstellungen sehr im Aussen gefangen. Vielleicht haben sie in wichtigen Situationen in ihrem Leben keine Liebe und Bestätigung erfahren (oder gar Ablehnung, Lüge und Missbrauch) und suchen sie daher im Aussen. In der Beziehung, in den Kollegen, bei Freunden, den Eltern usw.

Das ist vollkommen verständlich und nachvollziehbar. Und doch funktioniert es meines Erachtens nicht. Denn das, was das Kind oder der Heranwachsende damals nicht bekommen hat, versucht er jetzt zu bekommen und muss aber immer wieder scheitern, da das Problem ja im innen, nicht im Aussen liegt. Daher werden diese Menschen immer wieder mit Situationen in ihrem Leben konfrontiert werden, die sich wiederholen: Keine Liebe erfahren, betrogen / angelogen werden, im Stich gelassen werden, usw.

Eine Aussöhnung mit diesem verletzten kleinen Kind führt dazu, dass nach und nach der Kontakt zum Herzen geöffnet wird. Wo früher Ablehnung, Verzweiflung oder gar Selbsthass war, entsteht jetzt Annahme und Lieben. Nicht auf einer intellektuell-rationalen Ebene, vielmehr in unserer tiefsten inneren Essenz, unserem Sein.

Dabei werden die Betroffenen feststellen, wenn sie sich selber bedingungslos lieben können, sie diese Liebe auch im Aussen erfahren. Und zwar ebenfalls ohne Bedingungen. Das Leben ist ein Gesetzt der Resonanz: Das was wir in uns tragen, strahlen wir aus und bekommst auch das zurück. Tragen wir Zweifel in uns, bekommen wir Zweifel. Tragen wir Liebe in uns, bekommen wir Liebe.

Das benötigt Zeit und fürsorgliche und mitfühlende Begleitung in einem Prozess der mit viel Unsicherheit, Ängsten und starken Emotionen verbunden sein wird.

 

Stefan Geisse ist psychologischer Berater REAA, Yogatherapeut, Meditationslehrer und Ganzheitlicher Ayurveda-Berater. Er vertraut auf die Kraft der inneren Heilung welche ein Erkennen und Annehmen der eigenen Situation und Gedanken und Gefühle voraussetzt. Durch gezielte Atemübungen, heilsame Meditationen, achtsame Körperarbeit und die Arbeit mit dem inneren Kind konnte er schon viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten und sie auf dem Weg ihrer Heilung unterstützen. Stefan Geisse hat ein Büro in Zürich und leitet viele Auszeiten im Kloster und Anti-Stress-Retreats.

 

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