Yoga bei Stress und zur Entspannung

Die meisten Menschen kommen zum Yoga, weil sie sich Entspannung erhoffen. Das ist auch historisch begründet, denn als der Yoga in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts im Westen richtig bekannt wurde, waren andere Yoga Konzepte (wie zB „Yoga als Work-Out“ oder „Yoga als Dynamic Flow“) noch nicht bekannt.

Gerade in Deutschland entwickelte sich der Yoga gemeinsam mit anderen Methoden der Körperarbeit wie zum Beispiel Feldenkrais, Eutonie, Alexander-Technik oder anderen Konzepten in eine ausgesprochene „spürsame“ Praxis, in der die Förderung des Körperbewusstseins, des Nachspürens und der Entspannung sehr Stark im Vordergrund standen.

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Klassische Yoga-Tradition vs. westliche Konzepte

Für die klassischen Yoga-Traditionen Indiens aber steht vielmehr das Wechselspiel zwischen Aktivität und Entspannung im Mittelpunkt. Oder wie es der Weise Patanjali im Yoga Sutra 2.46 auf den Punkt bringt: sthirasukhamasanam: Die ideale Haltung ist stabil und fest zugleich.

Sthira bedeutet stabil und fest, standhaft und kraftvoll. Sukha steht für angenehm und leicht und fördert das Wohlgefühl. Sthira und Sukha ergänzen sich damit ähnlich wie das chinesische Yin und Yang.

Der Alltag bürdet uns oft viel mehr Aufgaben auf, als wir bewältigen können und gibt uns zu wenig Raum für Entspannung. Wir sind darauf ausgerichtet, Leistung zu bringen, im Beruf wie in unserer Freizeit. Für Entspannung gab es bis vor kurzem so gut wie keine Erziehungs- oder Trainingskonzepte. Erst als immer mehr Kinder wie Erwachsene krank vor Stress wurden, weil sie nicht mehr wussten wie sie entspannen, abschalten und dem Stress entkommen können, ist das Bedürfnis nach Stressbewältigung gestiegen.

Der Yoga Patanjalis stellt zwar sehr stark die mentale Entspannung in den Vordergrund, beschäftigt sich aber auch mit dem Wechselspiel zwischen passender Anstrengung (prayatna) und dem Loslassen überschüssiger Anspannung (shaitilya) beim Üben der Asanas.

Hatha-Yoga ist das Spiel der Polaritäten

Der Hatha-Yoga, erst im 13ten – 14ten Jahrhundert entstanden, also sehr viel Später als das philosophische Werk Patanjalis, hat das Wechselspiel der Polaritäten schon programmatisch in seinem Namen verankert: „Ha“ als Sonne, „Tha“ als Mond und Yoga als „Vereinigung“.

Das sich der Hatha-Yoga als Energie-Yoga versteht, steht konsequenterweise das Üben der Entspannung im Tun und gelichzeitig in der Entspannung wach und voller Kraft zu bleiben im Vordergrund. Im Grundlagentext des Hatha-Yoga, der Hatha-Yoga-Pradipika, steht somit auch das Ziel, die Übungspraxis solle „Stabilität, Gesundheit und Leichtigkeit der Glieder“ schenken im Vordergrund (HYP I,17).

Eine gute Yoga-Praxis eignet sich somit, dieses Prinzip einzuüben, denn wir begegnen uns selbst und Reflektieren gleichzeitig über die Art und Weise wie wir üben.

Mit Yoga den Herausforderungen begegnen

Durch die regelmässige Yogapraxis können wir lernen, wie wir Aufgaben und Herausforderungen angehen, was wir dabei denken und wie wir letztendlich mit uns selbst umgehen. Eine wunderbare Möglichkeit bietet neben den in jeder Stadt angebotenen Yogakursen auch mal Yogaferien am Meer oder auch informative Seiten mit weitere Informationen rund ums Thema Yoga.

Teile des Texts wurden inspiriert von dem lesenswerten Buch von Anna Trökes: Anti-Stress Yoga.