8. Januar 2019

Resilienz-Faktoren: Was uns beeinflusst, Stress und Krisen zu bewältigen

Resilienz nennt sich Widerstandsfähigkeit, die uns resistent gegen Stress macht und Krisen meistern lässt. Dabei ist die Resilienz bei Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt: Manche Menschen pustet schon ein kleines Lüftchen um, andere trotzen Wirbelstürmen.

Resilienz leitet sich dabei vom lateinischen resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘ ab. Sie wird oft auch oft mit psychischer Widerstandsfähigkeit übersetzt. Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen wird durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen gestärkt und dient im optimalen Sinne dazu, Anlass für die eigene persönliche Entwicklungen zu sein.

Gewisse Faktoren schützen unsere Resilienz, andere gefährden sie

Wie resilient jemand ist, hängt von einigen Faktoren ab, die uns schützen, bzw. die ein Risiko für unsere Resilienz darstellen. Nicht jeder Risikofaktor gefährdet die Entwicklung von Resilienz gleich. Herausfordernd wird es jedoch, wenn sich die Faktoren häufen.

Je mehr schützende Faktoren für eine Resilienz vorhanden sind, desto stärker sind wir gegen Stress belastbar. Wir erhöhen also unsere Resilienz – und können negative Aspekte besser ausgleichen.

Persönlichkeitsentwicklung und Umfeld

Dabei gibt es Faktoren, die die Entwicklung von Stress-Resilienz begünstigen und fördern, und solche, die sie eher schwierig entwickeln lassen.

Zu den Dimensionen, welche unsere Resilienz beeinflussen zählen zum einen die Entwicklung der eigene Persönlichkeit und zum anderen das Umfeld in dem wir aufwachsen und leben (Quellen: Prof. Dr. med. Oskar Jenin; Wustmann, Frählich-Gildorf u.a.).

Resilienz-Schutzfaktoren für die Persönlichkeit

  • Geschlecht und Stellung in der Familie (Mädchen und Erstgeborene sind im Vorteil)
  • Intelligenz und Sprachfertigkeit
  • Soziale Kompetenzen, Empathie
  • Positives Selbstwertgefühl und realistische Selbstwahrnehmung
  • Überzeugung, dass Anforderungen bewältigt werden können
  • Humor, Optimismus, Kreativität und Leistungsbereitschaft

Die Bedingungen, die unser Umfeld betreffen sind dynamisch. Das bedeutet, dass diese Faktoren eher verändert und beeinflusst werden können als biologische und psychologische Faktoren.

Resilienz-Schutzfaktoren welche aus unserem Umfeld entstehen

  • Geborgenheit: stabile und vertrauensvolle Bezugspersonen
  • Offener und wertschätzender Erziehungsstil
  • Harmonische Beziehung der Eltern
  • Zusammenhalt und konstruktive Kommunikation innerhalb der Familie
  • Vorbilde rund Freunde ausserhalb der Familie
  • Bildungsnahes Elternhaus
  • Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten
Empathie und Geborgenheit für eine höhere Stress Resilienz

Wie weiter oben erwähnt, gibt es auch Faktoren, die die Entwicklung einer Widerstandskraft gegen Stress und Krisen eher behindern. Oder im schlimmsten Fall gar unmöglich machen.

Risikofaktoren für die Person, eine geringere Resilienz zu entwicklern

  • Komplikationen vor, während oder nach der Geburt (etwa Frühgeburt oder Mangelernährung)
  • Genetische Störungen (etwa Down-Syndrom) oder chronische Krankheiten (etwa Asthma, Krebs, Herzfehler)
  • Entwicklungsstörungen (z.B. Lernschwäche)
  • Impulsives Verhalten, schlechte Kontrolle von Emotionen
  • Geringe Fähigkeit, Probleme zu lösen und mit Stress umzugehen

Risikofaktoren im Umfeld, die Stress-Resilienz negative beeinflussen

  • Psychische Erkrankung oder Sucht der Eltern, Arbeitslosigkeit
  • Streit oder Trennung der Eltern, alleinerziehender Elternteil
  • Armut oder niedriges Bildungsniveau, Migrationshintergrund
  • Beengte Wohnsituation, viele Umzüge
  • Defizite bei der Erziehung (z.B. Inkonsequenz, Vernachlässigung)
  • Gewalt, Missbrauch, Todesfälle, Traumata, Krieg
  • Negative schulische Erfahrungen, Mobbing

Warum so viele Menschen unter Stress leiden

Obwohl der faktische Stress abnimmt – wir haben heute mehr Freizeit denn je und eine geringere soziale Diskriminierung als noch vor wenigen Jahrzehnten – bestätigen immer mehr Menschen, dass sie unter Stress leiden.

Der Grund liegt in der subjektiven Wahrnehmung: Wir haben ein Stresssystem und ein Belohnungssystem. Dies sind sozusagen zwei Gegenspieler. Je nachdem wie wir diese wahrnehmen, hat es Einfluss auf unsere Stressresilienz.

Die Sinngebung ist mit entscheidend für den Umgang mit Stress

Das Belohnungssystem ist dabei sehr stark mit der Sinngebung verknüpft. Dies zeigen Untersuchungen mit Kriegsveteranen. Soldaten, die das Gefühl haben, sie kämpfen für die richtige Sache, sind überraschend hoch resistent gegen Stress. Solche, die den Krieg als sinnlos erleben, entwickeln hingegen viel eher psychische Krankheiten.

Heute fehlen in unserer Gesellschaft grosse Sinngeber wie eine Religion oder klare soziale Strukturen. Immer häufiger müssen wir uns den Lebenssinn selbst erkämpfen.

Ist die moderne Gesellschaft verantwortlich für unsere gesunkene Resilienz?

Sicherlich sind der gestiegene Individualismus und das erhöhte Leistungsdenken mit massgebend für eine erhöhte Stressbelastung. Doch war in der Steinzeit nicht alles besser, hier kämpften Menschen tagtäglich um ihr Leben. Doch muss festgestellt werden, dass es sehr viel früher weniger Ungleichheit gab. Denkt man nur an das stark verschobene Einkommensgefälle oder das Vermögen.

Unser Gehirn ist für diese Ungleichheit nicht geschaffen. Obschon es grosse Vorteile bietet, sich hochzuarbeiten. Jedoch ist der ständige Kampf um den sozialen Status nicht gesund – dieser zieht sich durch sämtliche Lebensbereiche: vom Berufsabschluss übers Aussehen bis hin zum Geschenk beim Kindergeburtstag.

Stress: Wir setzen uns kontinuierlich selbst unter Druck

Wir sind diesem selbstgemachten Wettbewerb permanent ausgesetzt. Meine Erfahrung mit vielen Beratungen als auch im persönlichen Umfeld zeigt: Es lohnt sich sogenannte „wettkampffreie Zonen“ einzubauen und zu lernen, sich ohne Scham einzugestehen, dass ich nicht überall der Beste sein muss.

Stress vermeiden durch Reduzierung von Leistungsdruck

Soziale Herkunft und Wohlstand beeinträchtigen die Resilienzfähigkeit

Gregor Hasler, Professor für Psychiatrie und Pschotherapie, ist Chefarzt bei den Universitären Diensten Bern. Er schreibt in seinem Buch „Resilienz“, dass Einkommensunterschiede von einem Prozent zu einem Resilienzverlsut im gleichen Umfang führen. Er hat dabei Resultate aus der Glücksforschung angeschaut. Dort misst man positive Gefühle und sieht diesen Zusammenhang. Resilienz gründet auf positiven Gefühlen, so dass er zu diesem Ergebnis kommt.

Beziehungen helfen unsere Widerstandskraft gegen Stress und bei Krisen

Prof. Hasler betont dabei: „Es geht um relative Unterschiede. Sie können reich sein, aber trotzdem unglücklich, weil sie sich mit noch Reicheren vergleichen. Das Wichtigste für die Resilienz sind soziale Beziehungen, Einbindung in ein Netzwerk. Wenn Sie reich sind, ist das einfacher. Sie können Partys schmeissen oder einen Fussballklub sponsern. Das stärkt die Resilienz, weil man lokal verankert ist, Kontakt hat mit Leuten, die in der Nähe wohnen.“

Dies hilft zu verstehen, dass bei einer Betreuung von Menschen unter hoher Stressbelastung diese Aspekte wichtig sind. Denn mit Therapien, die sich nur auf die eigene Psyche beziehen, kommt man nicht wirklich weiter. „Einem Manager mit Burnout kann ich nicht raten, auf die innere Stimme zu hören und regelmässig zu joggen. Er tut dies längst.“

Die Probleme der meisten von Stress und Burnout betroffenen haben auch gesellschaftliche Ursachen. Dies heisst natürlich nicht im Umkehrschluss, dass man selbst nichts an seinen Einstellungen und Glaubenssätzen ändern kann.

Beratung und Stress-Coaching zur Erhöhung der Stress-Resilienz

Die kritische Auseindersetzung mit seinen eigenen Prägungen und Erfahrungen kann helfen, bewusste und oft auch unbewusste Verhaltensmuster zu erkennen. Denn diese sind oft massgeblich daran beteiligt, wie wir zum einen eine Situation einschätzen – als stressig, gefährlich, unlösbar oder Herausforderung zum Beispiel – und wie wir uns dieser Situation stellen. Sehe ich eine Chance und nehme die Herausforderung an oder fühle ich mich überfordert, gehe in den Rückzug oder werde aggressiv.

Stress Coaching mit Stefan Geisse

Bei den resilienz-Faktoren spielen eben wie oben aufgeführt oft auch frühkindliche Erfahrungen eine Rolle. Diese können z.B. mit therapeutischer Arbeit aufgelöst werden. Dabei habe ich in der Arbeit mit hunderten von Klienten sehr gute und nachhaltige Veränderungen mit der Versöhnung mit dem inneren Kind gesammelt. Weitere Informationen zu Stefan Geisse und Stresscoaching

Auszeit vom Stress nehmen

Auch eine Auszeit vom Stress kann helfen, zur Ruhe zu kommen und gewisse Themen zu reflektieren. Dabei kann schon ein Wochenende im Kloster viele neue Impulse setzen. Neben Yoga, Atemübungen, Meditationen gibt es auch die Möglichkeit für individuelle Beratungen bei Stress als auch die Teilnahme an einem Stress-Workshop. Hier finden Sie weitere Informationen zu einer Auszeit im Kloster

Mit Achtsamkeit gegen Stress und für mehr Stress-Resilienz

Auch gibt es vielfältige Angebot für das Erlernen der Achtsamkeit. Mit Achtsamkeit sind sie befähigt, Situationen wertneutral wahrzunehmen und nicht in alte Geschichten sich zu verstricken oder in Bewertungen zu verfallen die eine neutrale Herangehensweise an das Problem oder die Krise erschwert. Lernen Sie Achtsamkeit in einem MBSR-Kurs oder einem Achtsamkeits-Seminar.

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Die Inhalte dieses Blogs basieren u.a. auf dem Beitrag „Resilienz – Die Stehaufmännchen“ im Beobachter 25/2018