Welcher Yogastil passt zu mir

Der Yoga, mehrere tausend Jahre alt, kennt keine “Yogastile” wie wir sie in unserer heutigen Zeit gerne im allgemeinen Sprachgebrauch benutzen. Der Yogaschüler folgte den Anweisungen des Lehrers, welcher beurteilen konnte, welche Aufgaben und Übungen und in welcher Ausführung er in diesem Moment zu seiner weiteren Entwicklung braucht.

Je nach Situation standen bswp. körperliche Aspekte zur Kräftigung oder Steigerung der Beweglichkeit im Fordergrund, das Studium wichtiger Texte, therapheutische Arbeit um bestimmte phsysischen und mentalen Beschwerden zu begenen oder im fortgeschrittenen Stadium die spirituelle Entwicklung im Vordergrund.

Yoga üben in Gruppenklassen

Dies funktioniert natürlich nur, wenn ein intensives, inniges Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler besteht. Gruppenklassen, wie wir es kennen, haben sich erst im letzten Jahrhundert entwickelt. Die Konsequenz: Der Lehrer hat nicht mehr die Zeit für den Schüler, die es benötigt, um ihn zu fordern und fördern. Sondern muss schauen, dass er mehr oder weniger allen gerecht wird.

Welcher Yogastil passt zu mir?

Marketing und Ego im Yoga

Es entwicklete sich mit dem angelsächsischen Einfluss der Kolonialherren und später speziell durch die US-Amerikanischen Kultur ein gewisser Egoismus in die Weiterentwicklung des Yoga. Vermehrt wurden Yogastile “erfunden” und – für Übende des klassichen Yoga sicherlich sehr befremdlich – diese z.T. auch noch juristisch geschützt.

Neben dem Stärken des eigenen Egos spielen dabei sicherlich auch noch vertreibliche und marketingorientierte Aspekte eine Rolle. Dass es im Yoga dabei gerade um die Befreeiung von den Fesseln des Ego (ahmkara = “Ich-Macher”) und des Geistes geht, scheint dabei nebensächlich (vgl. kaivalya-Upanishad und das vierte Kapitel des Yogasutras von Patanjali; kaivalya = Befreiung, Loslösen, Emanzipation als übergeordnetes Ziel des klassichen Yoga).

Yogastile zur Orientierung

Wie dem auch sei, etwas Gutes hat es, den Yoga in Yogastile zu unterteilen: Der Schüler kann durch die Klassifizierung von “Yogastilen” leichter “seinen” Yoga finden. Sei es um Rückenschmerzen zu lindern, Beweglicher im Körper und Geist zu werden, mehr Gelassenheit zu finden oder sich spirituell weiter zu entwicklen.

Yoga mit Stefan am Meer

Bleibt er konsequent am Üben, wird er so oder so tiefer in den Yoga eintauchen, mehr zu seiner Mitte und schliesslich Essenz finden um sich mit “dem Grossen” zu verbinden. Dort also, wo wir alle mit dem Yoga hinwollen. Der Unterscheid besteht dann nur noch in der praktizierten Form.

Klassischer Yoga kennt keinen Yogastil

Die klassischen Yogaschriften kennen wie gesagt die westlich geprägte Klassifizierung in Yogastile nicht, sondern sprechen von vier Yogawegen, die uns Menschen helfen, Befreiung zu erzielen:

Raja-Yoga ist der “königliche” Yoga und fokussiert sich auf Meditationsübungen, die sich auf den “Achtfachen Yoga-Weg des Patanjali” beziehen. Dieser wird dann – im Gegensatz zum Hatha-Yoga – als stärker geistig-spirituell orientierter Yoga-Weg verstanden.

Der Begriff „Raja Yoga“ leitet sich ab aus dem Sanskritwort raja, „König“, und bedeutet königlicher Yoga. Der Namen besagt also, dass derjenige, der seinen Geist bezwingen kann, ein wahrer Herrscher sei. Auch wird in einigen Schriften gesagt, dass der Raja Yoga alle anderen Yogawege überrage und deshalb als königliche Disziplin betrachtet werden könne. Krishna widerspricht dem in der Bhagavad Gita und stellt den Bhakti Yoga als höchten Yogaweg in das Licht.

Letztendlich ist meines Erachtens eine strikte Trennung dieser vier Yogawege schwierig und Elemente bedingen sich in unserer täglichen Yogapraxis.

Bhaj = dienen bzw. Hingabe.
Bhakti ist die Liebe zu Gott, auch die absolute Hingabe an einen Guru (Lehrer). Bhakti-Yoga lehrt selbstloses Handeln ohne eigene Erwartungen. Bhakti ist unbedingt – ich liebe Dich, was auch immer du tust, sagst oder denkst. Jede Handlung beginnt dabei mit dem Willen, die göttliche Vollkommenheit zu erfahren. Einige traditionelle Ausdrucksformen des Bhakti sind:

  • Japa – Die Wiederholung göttlicher Namen oder Mantren in Gedanken oder in Worten.
  • Kirtana – Rhythmischer Wechselgesang ebensolcher göttlicher Namen und Mantras. Dabei singt ein Sänger oder auch der Guru das Mantra vor, und die Gemeinde singt nach. Das Ganze wiederholt sich mit variierender Melodie und Worten.
  • Bhajans – Das gemeinsame Singen religiöser Lieder. Der Inhalt solcher Lieder sind oft Gedichte von Heiligen aber auch zeitgenössische Werke können gemeinsam gesungen werden
  • Pujas – religiöse Zeremonie bei der vor einer Statue oder einem Bildnis der Gottheit (oder auch eines Gurus) symbolisch Artikel wie Früchte, Reis, Licht und eine Kokosnuss dargebracht werden. Die Puja besteht normalerweise aus einer Anrufung (Avahanam) der Gottheit, sowie Lobpreisungen. Sie kann aus einem Gemisch von Sanskrit und der lokalen Sprache bestehen.
  • Seva – Dienst an der Gottheit. Jede Tätigkeit kann als Dienst an der Gottheit verstanden werden und ihr innerlich dargebracht werden. Dabei sollte man gemäß der Bhagavad Gita nicht an den Früchten der Handlung haften und sich selbst nicht als den Handelnden sehen. Diese Einstellung wird auch Karma-Yoga genannt.

Sanskrit „jnana“ = Wissen, Erkenntnis.
Bezieht sich auf weltliches, wissenschaftliches und spirituelles Wissen. Sozusagen der Weg der Erkenntnis (der höchsten Wahrheit). Das Ziel ist, sich selbst zu erkennen. Die Grundlagen sind Achtsamkeit, kontemplative Meditation und Selbsterforschung.

Jnana Yoga (Sanskrit, Yoga des Wissens), auch Jnanamarga, „Weg des Wissens“ genannt, ist das Streben nach Erkenntnis der letzten Wahrheit. Um so Moksha, Erlösung, vom Kreislauf der Wiedergeburten zu erlangen. Nach hinduistischem Verständnis und auch von Patanjali, dem begründer des philosophischen Yoga, ist die Wurzel von allem Übel Avidya, das „Nichtwissen“, und dieses wiederum die Ursache für die Wiedergeburt. Im Jnana Yoga geht es nicht darum, theoretische Gelehrsamkeit und Anhäufung von Einzelwissen zu erreichen, sondern um Weisheit. Das Mahabharata beschreibt den Unterschied bildlich: „Wer nicht erkennt, sondern nur vieles gehört hat, kann den Sinn der Schriften nicht verstehen, so wie ein Löffel nichts vom Geschmack der Suppe weiß“ (MB.II,55,1)

Nach dem Advaita, einer der populärsten Richtungen hinduistischer Philosophie, ist dieses Wissen stets vorhanden, es braucht daher nicht erworben, sondern nur ins Bewusstsein gerückt zu werden. Dabei helfen folgende drei Aspekte um das Wissen an die Oberfläche zu bringen:

  • Shravana bedeutet zuhören und meint Unterricht im Beisein (Satsang) eines Lehrers (Guru), der dem Schüler das wesentliche Verständnis auf individuelle Weise näher bringt.
  • Manana bedeutet Reflexion und dient der Verinnerlichung des aufgenommenen Wissens.
  • Nididhyasana bedeutet ernsthafte anhaltende Meditation. Das soll dem Schüler ein praktisches Verständnis geben und ihn zur Erkenntnis führen.

Karma Yoga wird oft auch als „Yoga des selbstlosen Dienstes“ verstanden (karma Sanskrit = machen, tun). Die indische Philosophie geht davon aus, dass jede Handlung einen Effekt auf das Umfeld, auf Personen, Lebewesen usw. hat. Karma-Yoga lehrt daher, neutral und bewusst zu handeln und nicht nach eigenen Vorlieben oder Abneigungen. Es lehrt sozusagen das Ego zu neutralisieren.

Karma-Yoga ist der ‘Yoga der Tat’ und bedeutet ein Handeln, ohne Anhaftung an seine Taten. Karma-Yoga wird oft auch als Yoga des selbstlosen Dienstes verstanden. Dabei wird angestrebt, jegliche menschliche Aktivität an den erhabenen Willen hinzugeben. Eine Absage an alle ichhaften Zwecke und Interessen oder um ein Resultats zu erzielen steht im Vordergrund. Gelassenheit, Verzicht auf alles Verlangen und nach einem Ergebnis sind die drei grundlegenden Zugänge zu Gott auf dem Weg des Karma Yoga der Bhagavad Gita.

Übersicht an Yogastilen

Folgende Übersicht, welche Inspiriert von Yoga Guide ist, hilft Dir, dabei eine besseren Überblick zu finden. Ich persönliche praktiziere Hatha-Yoga. Eine Yoga-Richtung, die sich im 13/14ten Jahrhunder aus dem tantrischen Philosophiesystem weiterentwicklet hat und den Körper und sein Energiesystem mit in die Übungspraxis miteinbezieht.

Meditieren mit Stefan Geisse

Und da dieses als Überbegriff sehr viel Interpretation zulässt, ergänze ich meinen “Yogastil”, dass ich ihn in der Tradition Sri Krishnamacharyas und seinen letzten langjährigen Schülern T.K.V. Desikachar und A.G. Mohan praktizieren.

Der grosse Yogameister Sri Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989) war Lehrer vieler Yogalehrerinnen und -lehrer, die heute im Westen bekannt sind, so zB B.K.S. Iyengar (1918-2014), Sri Krishna Pattabhi Jois (1915-2009), A. G. Mohan (*1945) uvm. Sein Sohn T.K.V. Desikachar (1938-2016) setzte die Tradition fort.

Atmung und Bewegung werden bei diesem Yogastil präzise koordiniert, in fließenden Abläufen (dynamisches Üben) und ruhigen Haltungen (statisches Üben), je nach Situation und Sinn der Praxis. Philosophie, Reflexion, Meditation haben ihren Platz. Die individuelle Anpassung der Praxis an die Bedürfnisse der Gruppe oder des Einzelnen sind ein besonderes Merkmal dieser Art zu üben. Dementsprechend wird der Einzelunterricht sehr hoch geschätzt.

Mehr Informationen wie ich Yoga in der Tradition von Sri Krishnamacharya praktiziere und lehre findest Du hier: Viniyaga

Yoga-Mischformen

Viele YogalehrerInnen verbinden verschiedene Elemente des klassichen Yoga und entsprechender Yogastile. Daraus ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte des Unterrichts. Wobei ich oft dabei beobachte, dass die indischen Philosophien und Weltanschauungen immer mehr in den Hintergrund geraten bzw. gar keine Rolle mehr spielen und weitgehend körperliche Aspekte dominieren.

AcroYoga wurde 2003 von Jason Nemer & Jenny Sauer-Klein in Kalifornien begründet. Im Vordergrund steht bei diesem Yogastil die dynamische Kraft der Akrobatik. und Thai-Yoga-Körperarbeit. AcroYoga soll Werte wie Vertrauen, Verbundenheit und Verspieltheit fördern. Die 7 Hauptelemente sind: Circle Ceremony, Asana, Partner-Flow, Nuad (Thai-Yoga BodyWork), Therapeutic Flying, Inversions (Umkehrhaltungen) & Spotting (Hilfestellung) sowie Partner-Akrobatik. Ziel von AcroYoga ist, Individuen in einen Zustand der Einheit mit sich selbst, mit anderen und mit dem Göttlichen zu bringen.

Wird manchmal auch Antigravity®Yoga, Fliegendes Yoga oder Anti-Schwerkraft-Yoga genannt. Der Yogastil Aerial Yoga, von Christopher Harrison 2008 gegründet, verbindet Körperübungen aus dem Yoga mit Luftakrobatik, Gymnastik, Tanz und Pilates. Die SchülerInnen lassen nicht nur die Seele baumeln, sondern hängen an einem elastischen Trapeztuch von der Decke. Es werde so Mut, Körperspannung und Balance gefördert.

Ein vom Amerikaner John Friend 1997 begründeter Yogastil.  anusara = „Folgen, Nachfolgen“ oder „natürlicher Zustand“. Anusara-Yoga vereint mehrere klassische Yoga-Ansätze: Hatha-Yoga (mit Fokus auf Körper und Atmung), Jnana Yoga (Weisheit/Wissen), Bhakti Yoga (Spirituelle Hingabe).

Das Ziel ist eine freudige, einem „dem Herzen folgende“ Yogapraxis. Um laut dem Gründer „im Einklang mit dem Körper die innere Schönheit zu erleben“. Asanas (Yogahaltungen) werden ‘herzorientiert’ ausgeführt und finden ihren Ausdruck  ‘von innen nach aussen’. Yogaübende sollten die Liebe in ihrem Herzen finden und den universellen Fluss des Lebens erkennen.

Sri Krishna Pattabhi Jois (1915-2009), Schüler des Grossen Sri Krishnamacharya entwickelte eine sehr kraftvolle und dynamische Form des Hatha-Yoga. Es werden vorgegebene, sehr fordernde dynamische Reihen im indischen Stil geübt, die einzelnen Asanas (Körperhaltungen) oft durch Sprünge miteinander verbunden und mit der klassischen Hatah-Yoga Ujjayi-Atmung (Kehlkopfatmung) verknüpft. Diese Atmung erzeugt laut den alten Schriften innere Hitze, wirkt schweißtreibend und entgiftetend.

Bikram Yoga wird bei 40-41 Grad (105°F) und 40 % Luftfeuchtigkeit praktiziert. Es besteht aus einer Abfolge von 26 Hatha-Yogaübungen (Asanas) und zwei Atemübungen (Pranayama). Diese 26 Übungen wurden aus mehr als 800 Asanas vom indischen Yogameister Bikram Choudhury ausgewählt und zusammengestellt. Es ist ein sportliches und forderndes Yoga und soll die physische Körperkraft, Flexibilität und Balance verbessern und durch Schwitzen den Körper entgiften.

Budokon kommt aus dem Japanischen und setzt sich aus den Worten Bu (Krieger), Do (Weg), Kon (Seele) zusammen. Es handlet sich dabei um eine Mischung aus fließenden Yoga-Asanas (Elementen aus Hatha- & Ashtanga Yoga), mit Rotationen, Meditation und Bewegungsabläufen aus traditionellen Kampfkunststilen. Dabei geht es sowohl um Koordination, Körperkontrolle, Schnelligkeit und Agilität. Aber auch um Kraft sowie innere und äußere Balance. Der Gründer Cameron Shayne bezeichnet diesen auch als Budokon®Yoga System.

Forrest Yoga wurde von der Amerikanerin Ana Forrest begründet und basiert auf traditionellem Hatha-Yoga, den sie weiterentwickelte. Die Eckpfeiler von Forrest Yoga sind: Atem, Stärke, Integrität und „Spirit“. Leidenschaftliche, intensivste Übungssequenzen führen dabei tiefer, auch zu möglichen körperlichen und emotionalen Verletzungen. So kann der eigene Spirit mit „nach Hause gebracht“ werden. Genutzt werden Hitze, Tiefenatmung und dynamische Körperübungen. Gift- und Schadstoffe werden so ausgeschwitzt, die Sauerstoffversorgung und damit auch die Regeneration verbessert. Forrest Yoga erfordert keine besondere Kraft oder Flexibilität, es bedarf ‘nur’ der Bereitschaft sich einzulassen, zu lernen, sich authentisch zu fühlen und darauf ehrlich zu reagieren.

Hatha-Yoga ist die im Westen am häufigsten praktizierte Form und wenn allgemein von „Yoga“ gesprochen wird, ist meist Hatha-Yoga gemeint. Dabei bedeutet „hatha” Kraft, Hartnäckigkeit, Unterdrückung. Damit soll die Anstrengung unterstrichen werden, die notwendig ist, um das eigentliche Ziel des Yoga, die Befreieung vom Leid und Verbindung mit “dem Grösseren” zu erreichen.

Der Begriff kann auch als Ausdruck der Einheit einander entgegengesetzter Energien (heiß und kalt, männlich und weiblich, positiv und negativ, Sonne und Mond) gedeutet werden. Die Silbe „Ha“ steht dabei für Sonne (Kraft, erhitzend), die Silbe „tha“ steht für Mond (Stille, kühlend).

Der Begriff Hatha Yoga wurde in der Hathapradipika verwendet, einer Yogaschrift aus dem 13. Jahrhundert. Dort grenzt er den spirituellen Yoga vom körperlichen Yoga (Hatha Yoga) ab und sieht ihn als eine Stufe auf dem Weg zum Raja Yoga.Dabei stehen Körper- (asana), Atem- und Energielenkungen (pranayama) und vorbereitende Meditationsübungen (dharana) im Mittelpunkt der Yoga-Übungspraxis.

Hatha Yoga mit Stefan Geisse

Die brasilianische Psychologin und Yogalehrerin Dinah Rodrigues entwickelte in den 1990er Jahren das sogenannte „Hormonyoga“, ein moderner Yogastil. Dinah kombinierte Trainingszyklen mit Übungen aus dem Hatha-Yoga, dem Kundalini-Yoga und tibetischen Energieübungen. Gezielt werden Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren stimuliert, um die Hormonproduktion anzuregen. Hormonyoga soll nicht nur bei Wechselbeschwerden helfen, sondern wird auch bei Frauen mit Kinderwunsch eingesetzt.

Diese von Swami Satchidananda (1914-2002), Schüler von Swami Sivananda, entwickelte Form des Yoga vereint Körperhaltungen, Tiefenentspannung, Atemübungen und Meditation sowie positives Denken. Ein in der indischen Tradition verwurzelter, eher geistiger Weg, in dem mehr Wert auf eine ruhige, meditative Stimmung, als auf Exaktheit und Genauigkeit in den Asanas (Körperhaltungen) gelegt wird.

Der Inder B.K.S. Iyengar (1918-2014), ebenfalls ein Schüler Sri Krishnamacharyas, begründete diesen Yogastil. Seine langjährige Beschäftigung mit Ausführung und Wirkung von Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama) führten zu einer weltweiten Verbreitung dieses Stils.
Typisch ist dabei die kraftvolle Yogapraxis, exakte Ausführung der Übungen und die Verwendung von Hilfsmitteln, wie z.B. Gurten, Klötzen, usw. Je nach Fähigkeit des Schülers werden die Übungen in Zwischenschritte aufgeschlüsselt.

Dieser Yogastil wurde von der Tänzerin Sharon Gannon und dem Künstler David Life in den 80er Jahren in New York entwickelt. Jivamukti heißt übersetzt so viel wie „die Befreiung der Seele“ und ist eine Form des Hatha-Yoga. Dabei werden ineinander fließende tänzerische Körperübungen praktiziert, die sich abwechseln mit Gesängen und Atemtechniken. Ziel ist es, mentale Stärke und Ausgeglichenheit zu entwickeln.

Dieser Yogastil wurde vom Inder Amrit Desai begründet und wird auch Amrit Yoga  genannt. Grundlage sind sanfte Körperübungen, unterstützt durch fließendes Atmen. Das eigentliche Ziel dieses Stils ist das Kultivieren eines distanzierten und bewussten Gewahrseins des dabei ablaufenden Prozesses. Wichtig sind Selbst-Akzeptanz und emotionale Stabilität. Praktische Übungen spielen zwar eine wichtige Rolle, die äußere Vervollkommnung von Körperhaltungen oder Atemtechniken sind eher sekundär.

Eine sehr alte indische Übungsmethode, bestehend aus speziellen Körper- und Atemübungen, Reinigungstechniken, Meditation mit Schwerpunkt auf Geistesschulung. Bekanntester Vertreter war der Inder Paramahansa Yogananda (1893-1952).

Im Kundalini-Yoga nach der Lehre von Yogi Bhajan (1929-2004) geht es um Anregung und Verstärkung jener Energie, die als im Becken bzw. am unteren Ende der Wirbelsäule (kundalini) ruhend angesehen wird. Das Prinzip der Kundalini ist in der Hathayogapradipka beschrieben und meines Erachtens daher ein Detail des Hatha-Yogas. In der Kundalini-Yogapraxis werden intensive Atemübungen (pranayama), Körperhaltungen (asana), reinigende Übungen (kriya), aber auch Meditation und Singen von Mantren eingesetzt.

Yogaferien

Hier handelt es sich um einen jungen Yogastil. Dieser verbindet traditionelle Techniken aus Hatha-Yoga, Tantra und Ayurveda mit modernen Körpertherapien. Der Focus liegt in der individuellen und kreativen Gestaltung der Übungen, die speziell auf die Gesundheit und das harmonische Funktionieren der Beckenorgane einwirken. Aviva Steiner, eine ehemalige Tänzerin ungarischer Abstammung in Israel, entdeckte 1971, dass bestimmte Bewegungen den Menstruationszyklus beeinflussen. Adelheid Ohlig, Yogalehrerin und Journalistin, erweiterte die Methode und baute sie Anfang der 19080er Jahre zum Luna-Yoga® aus.

Poweryoga wurde vom Amerikaner Bryan Kest begründet. Es handelt sich um einen kraftvollen Yogastil indem die Yogapositionen länger gehalten werden. Es werden einfache Positionen mit Fokus auf Aufbau von Koordination, Atmung und Bewegung, Kraft und Balance geübt, spirituelle Aspekte finden in der Regel kaum oder keine Beachtung.

Prana Flow ist eine Weiterentwicklung des Vinyasa Flow Yoga. Die amerikanische Yogalehrerin Shiva Rea wird als Gründerin gesehen. Sie teilt dabei eine Yogaeinheit ist in mehrere energetische Teilsequenzen ein. Ziel ist durch fließende, dynamische Bewegungen das innere Feuer (Agni) zu stärken, sich emotional tiefer zu öffnen und sich bei sphärischer Musik mit dem eigenen Körper auszudrücken.

Dies ist eine von Paramahamsa Satyananda Saraswati (1923-2009) entwickelte Yogarichtung. Diese wird, auch als Bihar Yoga bezeichnet. Dabei handlet es sich um ein integrales und wissenschaftlich orientiertes System, das Menschen auf dem Weg der Selbsterkenntnis und Selbstfindung unterstützt. Er vereint in sich die Weisheit dreier alter Traditionen – Vedanta, Tantra und Yoga und basiert auf der Synthese von Techniken der traditionellen Yoga-Zweige. Satyananda Yoga Nidra™ (Tiefenentspannung) ist eine der wichtigsten Techniken des Bihar Yoga bzw. Satyananda Yoga® und kann sicherlich als methodisch ganzheitliches System gesehen werden.

Shadow-Yoga, letztendlich auch ein Hatha-Yogasystem, wurde von Zhander (Shandor) Remete gegründet: Durch die Betonung von Hockevariationen, wie man sie selten in anderen Yoga-Traditionen findet, wird die Kraft der Beine gestärkt. Bewegungen, die die Sensitivität der Hände und Arme fördern, sind ebenso wichtiger Übungsbestandteil in diesem Yogastil.

Durch den Einsatz von Energieverschlüssen aus dem Hatah-Yoga (Bandhas), allen voran dem Uddiyana Bandha, sind Übungen energetisch sehr intensiv. Wissen aus dem Ayurveda und der feinstofflichen Anatomie des Menschen werden im Üben umgesetzt. Alte Hatha-Yogatexte beschreiben, dass der Körper aus fünf verschiedenen Schichten besteht. Durch den Prozess des Hatha-Yoga werden diese Schatten aufgelöst, um das wahre Selbst zu erkennen.

Die Sivananda-Yoga Vedanta Zentren wurden von Swami Vishnudevananda (1927-1993) gegründet, ein Lehrer des Hatha- und Raja-Yoga und enger Schüler des Yogameisters und Arztes Swami Sivananda (1887-1963). Wie in anderen Yogastilen wird ein ganzheitlichem Übungsweg angestrebt: Körperübungen (asanas), Atemübungen (Pranayama), Tiefenentspannung, Ernährung, positives Denken und Meditation.

Das chinesische Yoga, das ähnliche Elemente wie das indische Hatha-Yoga beinhaltet, wird als Toa Yin Yoga (chin. für „beugen und strecken“) bezeichnet. Dabei werden vor allem innere Kraft, die dynamische Beweglichkeit und Elastizität der Bänder und Sehnen betont. Im Mittelpunkt steht die Atemlenkung, Tiefenentspannung und Stärkung des Bauchbereiches und der Wirbelsäule. Tao Yin bietet die Grundlage für Tai Chi, Qigong und für längere Meditationen.

Im Therapeutischen Yoga werden klassische Yoga-Techniken (meist in Einzeltherapie) bei konkreten Beschwerden eingesetzt und mit anderen Verfahren kombiniert. Ausgewählte Atem-, Bewegungs-, Entspannungs- und Meditationsübungen werden den individuellen Bedürfnissen der Personen angepasst. Ziel der therapeutischen Yogapraxis ist es bei Schmerzen oder körperlichen Einschränkungen gezielt zu helfen, um eine bestimmten Symptomatik zu verbessern und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Also letztendlich nichts anderes wie die klassische Yogapraxis mit Lehrer und einem (oder wenigen) Schüler(n) von statten ging, weniger ein “Yogastil”. Ich habe meine Yogatherapieausbildung bei dem bekannten Yogatherapeuten Remo Rittiner absolviert.

TriYoga® wurde von der Amerikanerin Kali Ray begründet. Es verbindet Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Atmung) und Handmudras (Fingerstellungen) zu fließenden Sequenzen (“Flows”) zur Erweckung der Lebensenergie “Prana”. Der Begriff TriYoga® soll dabei für die “Dreieinheit” von Körper, Geist und Seele stehen.

Sanskrit: vinyasa = Bewegung, Stellung, Verbinden
Vinyasa-Flow-Yoga ist ein dynamischer Yogastil, bei dem Körperhaltungen (Asanas) fließend mit bewusster Wahrnehmung des Atems (Ujjayi-Atmung) verbunden werden. Der Vinyasa-Flow (meist eine mehrmals wiederholte Abfolge aus drei Asansas – Brett, Chaturanga und nach oben schauender Hund) erzeugt innere Hitze, die die Muskeln geschmeidig werden lässt und das Nervensystem reinigt, während die Körperzellen reichlich Sauerstoff und Energie erhalten. Der Fokus liegt auf gesteigertem Tempo mit Konzentration auf Atmung und Bewegung.

Yin Yoga ist ein ruhiger Yogastil und das Gegenstück zum yang-orientierten aktiven Ashtanga-Yoga. Die Yoga-Positionen (Asanas) werden ohne aktive Muskelkraft (so passiv wie möglich) über einen längeren Zeitraum (3 bis 5 Minuten) gehalten. Dabei geht die Dehnung in tiefere Körperschichten und so werden verklebte Faszien (Bindegewebe) auf sanfte Weise gelöst. Bekannte Yin-Yoga-Lehrende sind die Amerikanerin Sarah Powers und Paul & Suzee Grilley.

Dieser Yogastil wurde von Paramhans Swami Maheshwarananda unter Beibehaltung der authentischen Yogatradition entwickelt und bietet ein abgestimmtes achtstufiges System. Auch hier stehen Asanas (Körperhaltungen), Pranayamas (Atemtechniken) und Meditation im Vordergrund der Yogapraxis. Besonderes Augenmerk liegt auf der Koordination von Atem und Bewegung wie ihn auch Sri Krishnamacharya lehrte. Am Beginn und am Ende jeder Übungsstunde sowie zwischen den einzelnen Übungen werden Entspannungsphasen eingehalten.

Yogalates ist ein Yogastil der Yoga und Pilates kombiniert. Meist beginnt eine Einheit mit Yogaübungen aus dem Hatha-Yoga, dann folgen kräftigende Pilatesübungen. Dabei stehen die Stärkung der Muskulatur der Körpermitte wie innerer Bauchmuskel, Beckenboden im Vordergrund. Der Amerikaner Jonathan Urla liess den Begriff „Yogilates“ 1997 schützen.
Ein weiterer ähnlicher Begriff ist Yolates®. Ebenfalls aus Yoga und Pilates bestehende Methode, die von der Österreicherin Dr. Irmina Boltenstein mit einer spirituellen Komponente versehen wurde.

Stefan Geisse lehrt Hatha-Yoga in der Tradition von Sri Krishnamacharya und seinen letzten langjährigen Schülern DKV Desikachar und AG Mohan. In seinen Unterricht fliesst zudem auch das Wissen des Ayurveda ein, die “Schwester” des Yoga. Zu seinen Lehrern zählen u.a. Remo Rittiner, Prof. Dr. Martin Mittwede, Dr. Eckard Wolz-Gottwald, Eva Hager-Forstenlechner, Prof. Dr. S. N. Gupta, Dr. Vaidya Ram Manohar, Kerstin Rosenberg und viele mehr. Wird er gefragt, welchen Yogastil er lehrt, antwortet er: Yoga.

Stefan leitet Auszeiten in verschiedenen Klöstern in denen er achtsames Yoga und Meditation lehrt. Zudem ist er mehrere Wochen pro Jahr auf Mallorca, wo er Yogaferien am Meer leitet.