Tagesrhythmus und innere Organuhr

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gibt die Organuhr den Tagesrhythmus vor: Sport über Mittag geht gar nicht!

Wer permanent müde ist, erschöpft, matt, sich am Limit fühlt, dem muss zwangsläufig der Verdacht kommen, falsch zu leben. Dabei kann der Blick auf die Organuhr helfen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit befindet sich diese Person seit Längerem in einem aufreibendem Kampf gegen die eigenen Energieströme und setzt ihre Organe just zu dieser Zeit zusätzlichem Stress aus, in der sie mit der Energieproduktion beschäftigt ist.

Depression bei Frauen

Der Mensch ist Teil der Natur

Weit mehr als in unserer westlichen Medizin sieht TCM den Menschen als Teil der Natur, so wie auch zum Beispiel der Ayurveda. So wie die Erde, die Himmelsrichtungen, das Licht – der Mensch ist damit verbunden und beeinflusst. Alles ist miteinander verknüpft und wirkt aufeinander ein. Ändern sich die Jahreszeiten, die Temperaturen, das Wetter, hat dies einen Einfluss auf unseren Organismus. Der Tag macht aktiv, die Nacht müde.

Blut und Qi als Essenz des Lebens

Laut der Chinesische Medizin hängt unsere Lebensenergie vor allem von zwei Quellen ab: dem Blut und dem Qi („Energie, Atem, Fluidum“). Hier gleichen sich die asiatischen Philosophien: Im Yoga spricht man von Prana, im Ayurveda von Ojas: Energie die uns am Leben hält und die es gilt zu schonen und aufzubauen.

Alle zwei Stunden ein anderes Organ

In der TCM zirkulieren diese energetisiert permanent im ganzen Körper. Wechseln aber alle zwei Stunden von einem Organ zum anderen um sich diesem im besonderen Mass zu widmen. Für die Chinesischen Weisen war klar, was später durch Abertausende klinische Tests bestätigt wurde: In diesem zwei Stunden arbeiten diese Organe derart unter Hochdruck an der Energieaufnahme, dass sich eine zusätzliche intensive Belastung auf Dauer rächt.

Die Organuhr zeigt welches Organ im Fokus steht

Aufgrund dieser Erkenntnis entstand die Organuhr. An ihr kann abgeleitet werden, welche Aktivitäten zu welcher Zeit gut für den Körper sind oder eben problematisch. Wobei wichtig zu verstehen ist, dass die Organuhr nicht die Heilung des Körpers regle, sondern die Prävention. Vergleichbar mit der in der westlichen Wissenschaft so populär gewordenen biologischen Uhr. Anders gesagt: Wenn wir die Organuhr kennen, wissen wir, wie wir leben sollten.

Die Organuhr: Quelle: Sonderbeilage Health Ageing Forum Schweiz

Beispiele für die Organuhr

Langschläfer mit Verdauungsproblemen sollten ihre Gewohnheiten ändern und vor 7 Uhr aufstehen, ein Glas Wasser trinken – und geniessen, wie selbstverständlich der Dickdarm arbeitet. Beim (leichten!) Nachtessen, sollten schwere Diskussionen vermieden werden, sonst findet man schlecht in den Schlaf.

Pures Gift für den Körper ist Sport über Mittag. Denn von 11 bis 13 Uhr bearbeitet Blut und Qi das Herz, darum benötigt dies zu dieser Zeit Ruhe. Ideal ist ein bedächtiger Lunch, am besten mit anschliessendem kurzen Mittagsschlaf.

Das Herz steuert sämtliche mentale Aktivitäten, wie Inspiration und Konzentration. Wer regelmässig über Mittag joggen geht, nimmt in Kauf, dass er fahrig wird und sein Gedächtnis leidet.

Schlafstörung bei Stress

Entwarnung wiederum gibt es für jene, die nachts aufschrecken und denken, mit ihrer Lunge sei etwas nicht in Ordnung, nur weil sie wieder um vier Uhr wach liegen. Denn dieses Erwachen zu ähnlichen Zeiten kann auch eine antrainierte Gewohnheit sein. Erst bei weiteren Symptomen wie chronischen Husten oder Allergien, die man bei Schlafstörungen zwischen 3 und 5 Uhr besonders spürt, sollte man hellhörig werden und einen Arzt aufsuchen. Gut sind schlaflose nächtliche Phasen jedoch nie.

Wie extreme Emotionen Einfluss auf unsere Gesundheit haben

Die Organe steuern unsere Gesundheit. Es gilt, sie zu schonen und Harmonie anzustreben. Denn extreme Emotionen haben negative Auswirkungen

Übermässige Freude schlägt aufs Herz. Dieses ist verantwortlich für Blut und Blutgefässe und alle menschlichen Aktivitäten. Durch einen Meridian ist es mit der Zunge verbunden: An Ihr lässt sich der Zustand des Herzens ablesen.

Ärger greift die Leber an. Diese säubert das Blut, ist verantwortlich für Sehnen und durch einen Meridian mit den Augen verbunden.

Grübeln schadet der Milz. Sie transformiert Nahrungsmittel, filtert das Blut und ist verantwortlich für die Muskeln. Die Lippen verraten, wie es um sie steht.

Traurigkeit ist schlecht für die Lunge. Sie kontrolliert die Atmung und ist verantwortlich für sie Haut und das Haar. Ihr Befinden zeigt sich an der Nasenspitze.

Angst schädigt die Niere, Diese nimmt wichtige Essenzen auf und ist Zuständig für Entwicklung und Reproduktion sowie für die Knochen. Ihr Zustand zeigt sich an den Ohren.

 

Erholsamer Schlaf ist Lebensnotwendig

Denn die Nacht ist heilig. Die dient der Regeneration wichtigster Organe wie Gallenblase, Leber und Lunge. Für deren Erholung ist grösstmögliche Entspannung Voraussetzung, als die Tiefschlafphase. Wer zwischen 21 und 22 Uhr entspannt ins Bett geht, schafft dafür die besten Voraussetzungen.

Natürlich ist diese wissenschaftliche Theorie nicht immer 1:1 umsetzbar, jeder Mensch hat einen anderen Rhythmus, es gibt heute Sommer- und Winterzeit und Einflüsse, die wir nicht steuern können. Es scheint wichtig, die Grundzüge einzuhalten, man spürt recht schnell, wie sich die körperliche und geistige Energie verändert.

Innere Uhr im Ayurveda

Auch im Ayurveda befasst man sich mit der inneren Uhr. Dieser geht sogar noch weiter, da er jeden Menschen individuell sieht und damit für unterschiedliche Konstitutionen unterschiedliche Energieströme verantwortlich macht, die diesen besonders beeinflussen können: So sind beispielsweise leichte Luft-/Äther geprägte KJonstitutionen besonders anfällig für Stress und Störungen. Ihre Zeit ist Nachts zwischen 2 und 6 Uhr (und tagsüber 14 – 18 Uhr). Wachen Menschen oft zu dieser Zeit auf und liegen wach, kann dies ein Zeichen sein, dass zu viel Eigenschaften von Lufz und Äther in ihnen wirken: Sie sind zu leicht, trocken, rau, zu beweglich. Mehr über Ayurvedische Lehre und die Ayurvedische Konstitutionsanalyse und Ernährungsberatung.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der Sonderbeilage Health Ageing Forum Schweiz der Handelzeitung vom 26. Oktober 2017